Page 10 - prima! Dezember 2017
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Foto © View / Jennifer Vass  COVERSTORy  KINDERONKOLOGIE






                                                                      Das ist die Geschichte einer Familie, die vom
                                                                      Ausnahmezustand wieder langsam zurück ins
                                                                      Leben findet. Es ist die Geschichte vom fünf-
                                                                      jährigen Emil, bei dem im Alter von zweiein-
                                                                      halb Jahren Leukämie diagnostiziert wurde.
                                                                      Aber Emil ist ein Kämpfer, der dem Schicksal
                                                                      die Stirn bot. Hier ist die Geschichte - erzählt
                                                                      von seinem Papa, dem Bad Tatzmannsdorfer

             Schockdiagnose leukämie im Jahr 2015. Heute ist Emil (5) wieder gesund  Arzt, Dr. Andreas Kiss.
             Emil und die Chemoritter







               Emil freut sich. Auf Weihnachten. Er ist fünf und auf einem   über die Gänge der Kinderonkologie, und irgendwann durfte er
             sehr guten Weg. Auf dem Weg aus der Leukämie. Noch nicht   wieder nach Hause. Zu seiner Schwester Josefine. Mundschutz,
             ganz am Ziel, aber extrem gut unterwegs. Er hat knapp die Hälf-  Händedesinfektion, kein Spielen im Freien, täglich Chemotab-
             te seines Lebens mit Chemotherapie verbracht.            letten schlucken, für ein weiteres Jahr. Beinahe ein Kinderspiel in
                                                                      Relation zum Erlebten. Zuhause halt. Unvorstellbar…
             Mit zweieinhalb Jahren war es. Gründonnerstag 2015: Er hatte
             ein wenig Knochenschmerzen, ein wenig Fieber und war blass.   Seit April ist Emil komplett therapiefrei, gesund quasi. Über
             Sonst topfit. Was soll schon sein… Nach einer Blutabnahme   Blutabnahmen und Ambulanzbesuche kann er nur lachen. Ein
             dann die Verdachtsdiagnose ALL… akut lymphatische Leukä-  Held eben. Täglich mit einem Lächeln munter, abends gerne ins
             mie! Und weg war er, der Boden unter den Füßen. Eine Diagnose   Bett. Fast schon unheimlich, sagen die Eltern. So wie Josefine,
             wie eine Hammerschlag. Man fuhr mit Blaulicht nach Graz.   die wie ein Fels in der Brandung all das weggesteckt hat. Eine
             Kinderonkologie. Dorthin, wo jeder hofft, niemals hin zu müssen.   Heldin eben. Wo nehmen Kinder diese unbändige Kraft her?
             Eine immense psychische und physische Belastung für die ganze   Das Zittern vor dem Rückfall bleibt aber - für die Eltern -
             Familie. Schnell mal eben das Leben auf den Kopf gestellt.   denn Emil genießt das Leben. Es scheint, als würde er jeden
             Komplett. Mama und Papa wechseln sich alle drei Tage ab, um   Tag genießen. Manchmal denkt Emil auch noch nach, über die
             nicht total wahnsinnig zu werden, dazwischen wird schnell mal   Chemoritter, über die Spritzen in den Oberschenkel. Und das
             gearbeitet und darauf geachtet, das zweite Kind nicht zu kurz   Entfernen seines Schlauches. Das tat weh, sagt er und zeigt
             kommen zu lassen. Auf diesem Boden, den man nie, nie betreten   seine Narbe.
             wollte, findet man auch Freunde. Im Mikrokosmos Kinderonko-  Und Emil freut sich. Auf Weihnachten. Denn er ist fünf und auf
             logie, die Einzigen mit denen man über Belastungen reden kann.   einem sehr guten Weg…
             Die Einzigen, die verstehen können. Außerhalb geht das nicht.
             Das Reden. Wer soll es denn verstehen? Aber die Freunde da-     LEUKÄMIE im KINDES- und JUGENDALTER
             heim helfen. Wo es nur geht. Sie bekochen, lenken ab, kümmern
             sich um Josefine. Unendliche Dankbarkeit dafür.          Leukämien sind bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems
                                                                      und die häufigsten Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter.
             Nach ein paar Wochen Hochdosis Chemotherapie kann Emil   Unbehandelt führen sie innerhalb weniger Wochen zum Tod.
             sich kaum alleine bewegen. Ein Schlauch unter seiner linken   Sind sie mit moderner Chemotherapie (über 2 Jahre) an sich gut
             Schulter, dessen Ende direkt in den Herzvorhof mündet, ist in   behandelbar, ist vor allem die Angst vor einem Rezidiv (etwa jedes
             den nächsten anderthalb Jahren sein steter Begleiter, so wie die   siebte Kind mit ALL erleidet einen Krankheitsrückfall) der bestim-
             Knochenmarkspunktionen und die wochenlange Isolation auf der   mende Faktor im Leben der nächsten Jahre, zumal die Heilungsaus-
             Kinderonkologie. Alle drei Stunden Kontrolle von Nierenfunkti-  sichten bei einem Krankheitsrückfall deutlich ungünstiger, als bei
             on, Blutdruck, Temperatur. Die Therapie so hart am Limit wie es   einer Ersterkrankung sind.
             geht. Kaum Schlaf. Ein Erwachsener würde diese Therapie viel-
             leicht zwei Wochen überleben, sagt der Arzt. Aber Emil spricht   Österreichische Kinder-Krebs-Hilfe: Kennwort „Emil“
             extrem gut an auf die Chemo. Auf die Chemoritter, die gegen   Bawag-PSK, Kto. Nr. 7 631 111, BLZ 60000
             böse Blutzellen kämpfen.                                 IBAN: AT346000000007631111, BIC: BAWAATWW
             Irgendwann schwanden die ständigen Schmerzen, irgendwann   Ihre Spende an die Österreichische Kinder-Krebs-Hilfe ist gemäß
             normalisierten sich sie Blutwerte, irgendwann sauste er wieder   § 4a Z3 und 4 EStG steuerlich absetzbar

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